… ist eine Erfindung des Westens (ja ich oute mich hier als Ossi). Ich bin mit dem Internationalen Fauentag am 8. Maerz gross geworden.

Ich finde es wichtiger die Frau zu ehren, nicht Muetter. Grad weil viele kinderlos sind oder bleiben muessen.

Und weil die Gesellschaft den Muttertag total aufpuscht mit Werbung und Muttertagsgeschenken! 😦

Die Maenner haben auch nur einen Tag, und Vatertag gibt es nicht!…

Auch im Forum wurde diskutiert aufgrund eines Artikels:

http://www.tagesspiegel.de/meinung/-muttertag/4147032.html

Wieder wird Kindesstimme es fröhlich verkünden: „Ich wünsch dir Glück und Fröhlichkeit, die Sonne soll dir lachen, für heute und in alle Zeit, will ich dir Freude machen. Denn Muttertage, das ist wahr, die sind an allen Tagen, ich hab’ dich lieb das ganze Jahr, das wollt ich dir nur sagen.“ – Heute ist Muttertag. Und man fragt ratlos: Warum nur? Sollten Mütter immer noch einen Extra-Tag im Jahr für sich beanspruchen dürfen, so wie das Butterbrot zweifellos seinen Tag des Butterbrots (am 30. September) verdient, oder wie unbedingt am 4. Juni der Artenvielfalt gedacht werden sollte? Den alten Müttern zu danken, sie zu besuchen und ihnen Blumen zu schenken, das kann nie falsch sein.

Doch gilt das auch für die jungen Frauen?

Das Butterbrot und die Artenvielfalt werden gesellschaftlich unterschätzt, das ist Grund genug, sie wenigstens an einem Tag im Jahr zu würdigen. Das trifft für die Mütter, deren Kinder jetzt im Bastelalter sind, nicht zu, im Gegenteil: Um sie macht sich ein neuer Kult breit. Weil man die Mutterschaft in diesem Land routinemäßig als schwere Bürde begreift, der sich nur die Mutigsten aussetzen, ist jetzt jeder Tag Muttertag. Mütter können sich kaum retten vor gesellschaftlicher Anerkennung, tollen familienfreundlichen Arbeitszeitmodellen und endloser Toleranz, was die Fehlstunden in der Arbeit wegen Läusen und Schnupfen beim Nachwuchs angeht.

Die Mütter werden ordentlich ausgestattet mit finanziellen Mitteln, damit die Kinder gut angezogen und unterrichtet werden können. Das Elterngeld sorgt zudem dafür, dass in der Babypause keine Armut in der Familie ausbricht. Und damit die Kinder sie nicht so nerven, gibt es zunehmend Ganztagskindergarten- und -schulplätze. Dann kann die Mutter auch mal ausruhen oder zur Arbeit gehen. Auch wenn immer noch nicht alles zum Besten bestellt ist, muss doch festgehalten werden: So gut wie heute ging es jungen Müttern wohl noch nie.

Dieser Sonntag sollte deshalb kein Tag sein, an dem sich die Nation noch einmal zusätzlich vor ihren Müttern verbeugt. Es sollte ein Tag sein, an dem die Mütter einmal der Gesellschaft, den Kinderlosen, dem Staat dafür danken, dass ihnen all dies vor die Tür gestellt wird. Und sie sollten wenigstens heute aufhören, so zu tun, als seien es nur ein einziger mickriger Muttertag im Jahr, eine Schachtel „Mon Chérie“ und ein Blumenstrauß, der sie für den ganzen Ärger entschädigen soll. Denn so ist es schon lange nicht mehr – und die Bastelarbeiten waren früher auch schöner.

Und einige Antworten aus dem Forum dazu:

http://www.wunschkinder.net/forum/read.php?1,6144644

ausnahmefall

Ich finde den Beitrag im Link extrem unverschämt.

Ja, Mütter haben es heutzutage teilweise leichter, als Mütter früher. JEDER hat es heute leichter, als die Menschen früher! Die kinderlosen Frauen (und Männer) doch genau so! Es ist noch keine 100 Jahre her, dass der Achtstundentag eingeführt wurde – und viele arbeiten sogar nur 7:36 plus Pausen wegen 38h/Woche. Wer von euch muß täglich 12h auf dem Kartoffelacker gebückt Kartoffeln setzen und dann wieder ausbuddeln? Ach, ihr kauft die im Supermarkt. Na ihr macht es euch aber auch leicht! Milch selbst melken? Kuh schlachten und zerteilen? Wäsche im Waschzuber waschen? Auf dem Boden krauchend selbigen schrubben? Kleidung selbst nähen, flicken und stopfen? Herd mit selbst gehacktem Holz feuern – als absolut einzige Wärmequelle des Hauses! Alles noch nicht gemacht, hm? Aber NUR Mütter machen es sich heutzutage leicht, schon klar.

Von Müttern wird heutzutage extrem viel erwartet. Die Kinder sollen gut erzogen sein, möglichst nicht laut, hat das Kind ein dreckiges Oberteil an wird die Nase gerümpft (3x am Tag umziehen lassen auch bei einer tollen elektrischen Waschmaschine die Wäscheberge wachsen, denn es muß nicht nur gewaschen, sondern auch aufgehangen, abgenommen, gefaltet und in den Schrank gelegt werden… Sicher ginge Trockner, der geht aber massiv ins Geld bei den Mengen, denn die Dinger fressen viel Strom), die Kinder sollen bei Schuleintritt bitte schon rechnen, lesen und schreiben können – dafür verantwortlich sind natürlich die Eltern, vornehmlich die Mütter. Es wird Förderung in alle Richtungen erwartet, sonst hat das Kind ja möglicherweise einen Nachteil im Leben. Das sind dann Frühenglisch, Musikschule, Kinderturnen und was nicht noch. Das ist schon fast Pflichtprogramm.

Und die ach so tollen und im Link offenbar als Standard angesehenen Ganztagskiga- und -schulplätze sind dermaßen rar, dass ich Glück habe für meinen dann 3 1/2 jährigen im September ÜBERHAUPT einen Kindergartenplatz bekommen zu haben. Aber auch nur durch das extreme Glück, dass ein neuer KiGa aufmacht und ich es durch einen blöden Zufall zeitnah mitbekommen habe. Sonst hätten wir nicht mal einen Platz im 9-12 KiGa! Er benötigt aber dringend den täglichen Kontakt mit anderen Kindern. Ich habe auf ALLE Bewerbungen in KiGä ansonsten NUR Absagen erhalten! Aber klar, ich schiebe mein Kind ja eh nur in den KiGa ab, um meine Ruhe zu haben oder um gemütlich etwas zu arbeiten (da frage ich mich, wie gemütlich es die in dem Link so gelobten Kinderlosen, die ja den bösen Müttern das Elterngeld finanzieren, haben, die ja nur arbeiten und danach nicht auch noch Kinder zu betreuen haben)… Sorry, aber da schwillt mir der Kamm! Als ob Mütter ihre Kinder nur so zum Spaß ganztags in den KiGa schicken… Die allermeisten, die das tun MÜSSEN arbeiten um überhaupt über die Runden zu kommen.

Im tollen Früher, als die Mütter es ja noch so viel schwerer hatten, gab es aber auch Familienverbände. Da haben dann Oma und Tanten und ältere Geschwister auf die Kleinen aufgepasst, wenn die Mütter arbeiten waren. Das übernimmt jetzt der KiGa, da die Mütter, die es ja sooooooo schwer hatten, heute lieber auf Kreuzfahrt gehen, sich noch zu jung fühlen um Großeltern zu sein und damit den Generationsvertrag aufkündigen. Dafür sollten sie natürlich extra geehrt werden, weil SIE es ja noch so schwer hatten. Sie konnten aber noch arbeiten, weil ihre Mütter noch auf ihre Kinder geschaut haben. Oder es war okay, dass die Kinder allein draußen spielen. Ich wurde neulich von einer älteren Dame extrem blöd angeredet, weil ich es gewagt habe, meinem 3jährigen zu erlauben, schon mal runter zu gehen und zu spielen, während ich noch fix den Kleinen gewickelt habe. Ich würde meine Aufsichtspflicht verletzen und es ist ja ach so unverantwortlich blablabla… wie man’s macht ist’s heutzutage verkehrt. Hätte ich ihn nicht gehen lassen und besagte Dame hätte es mitbekommen, wäre ich wahrscheinlich eine Glucke gewesen, die ihrem Kind auch mal was zutrauen muß, damit es Selbstständigkeit lernt. Komischerweise sind es immer die ach so tollen alten Mütter, die egal was man macht, sich NUR negativ äußern und extrem verbohrt sind.

Ach ja und sie tooooooollen alten Mütter, die laut Link ja so geehrt gehören, durften ihre Kinder noch schlagen, ja sollten es sogar. Da wurde der Wille der Kinder eben mit Gewalt gebrochen, wenn’s nicht brav war. SO die Kinder zu „erziehen“ ist extrem effektiv. Zerstört aber auch extrem viel. Die heutige Erziehungsarbeit ist erheblich komplexer und aufwändiger, da GOTT SEI DANK! heute auf Gewalt verzichtet wird. Aber warum soll ich jemanden ehren, der den Willen seines Kindes systematisch gebrochen hat?

Und ich begreife meine Mutterschaft nicht als schwere Bürde, sondern als dass was es ist: Ein 24h Job, den ich gegen keinen 8h Job der Welt eintauschen wollen würde! Es ist Arbeit! Es ist anstrengend! Na und? Ich brauche dafür keine super Ehrung oder was weiß ich. Aber die Aufgabe aus dem winzigen frisch geborenen Wesen ein wertvolles Mitglied der Gesellschaft zu machen dermaßen klein zu reden ist wirklich schon unverschämt.

Ich möchte nicht mehr im „Früher“ leben. Aber das wollte ich schon vor meinen Kindern nicht!

Ach ja, und wenn es früher alles soooooo schwer war, warum höre ich dann ständig, vor allem auch von älteren Frauen, „Früher war alles besser“??? Da dreht man es sich doch auch, wie man es braucht um alles und andere möglichst schlecht zu reden.

Na dann feiert ihr, die ihr dem Beitrag im Link zustimmt, mal den Tag des Steuerzahlers… Sollte irgendwann im Juni oder Juli sein… Ich werde dann derweilen die Frechheit besitzen mich auf die faule Haut zu legen und eure Steuergelder in Form von Elterngeld zu kassieren. In der Hoffnung für 2014 einen (Halbtags!) KiGa Platz zu kriegen, damit ich dann erst richtig faul rumgammeln kann… Meine Kinder erziehen sich derweilen von allein und sind mit dann 6, 4,5 und 3 bestimmt schon in der Lage Haushalt und so weiter selbst zu schmeißen… Weil ich liege ja nur auf der faulen Haut und schiebe die miesen kleinen Schratzen ab, weil sie nerven. Ich böse, faule Mutter im Jahr 2011. Jawoll.

ioreth

Hm, ich finde es sehr schade, dass so ein Artikel hier so eine Kluft zwischen Müttern und ungewollt Kinderlosen auftut. Weil die einen – die Mütter – es zu leicht/ leichter als früher/ auch nicht leichter als früher/ anders als früher/ schwerer als früher haben (je nach Sichtweise und Stimmung) geht es doch den anderen – den ungewollt Kinderlosen – nicht besser oder schlechter. Aus der Sicht einer Mutter wäre es sicherlich schön, ab und zu mal einen Sonntag ganz ohne Verpflichtungen (Kinder waschen, anziehen, füttern, mit ihnen spielen etc.) zu verbringen. Eine ungewollt kinderlose Frau würde vielleicht jeden einzelnen Tag ihres restlichen Lebens aufgeben, um endlich vom eigenen Baby angestrahlt zu werden (jaja, Babys strahlen auch nicht immer, schon klar).

Was hat das mit dem Muttertag zu tun? Warum sollte es nicht einen besonderen Tag für die liebende Mami geben, an dem sie ein paar Blümchen und vielleicht ein Frühstück ans Bett bekommt? Genauso wie einen Vatertag, an dem er sich mit seinen Kumpels treffen und „frei“ sein kann? Klar tut das weh, an einem solchen Tag ganz besonders daran erinnert zu werden, dass man selbst eben noch keine Kinder hat. Vielleicht tut’s auch weh, mit dem eigenen Miststück von einer Mutter konfrontiert zu werden, wenn man eben nicht so großes Glück mit der eigenen „Ursprungsfamilie“ hatte (aber das will ich hier nicht schon wieder aufwärmen, das hab ich ja schon lang und breit im Kummerkasten getan). Aber steigert oder mindert es meinen persönlichen Schmerz, meine Ängste, vielleicht wieder eine FG zu haben, oder meine Sorgen, wenn eine gute Freundin zum ersten Mal Muttertag feiert? Oder wenn eine nicht allzu liebe Bekannte mal wieder nur über ihre beiden süßen Kinder schimpft, kein gutes Haar an ihnen lässt? Über ersteres kann ich mich ehrlich nicht ärgern, und das zweite verletzt mich das ganze Jahr über immer wieder, nicht nur zum Muttertag.

Andererseits kinderlosen Frauen vorzujammern, wie viel Arbeit man doch mit Kindern hat, wie anstrengend so ein Tag ist, wie schwer man es doch hat… Ist das wirklich nötig? Wissen wir nicht alle – ja, auch die Kinderlosen! – dass sich das Leben mit Kindern verändern wird? Dass man in den ersten Wochen und Monaten wenig bis gar keinen Schlaf bekommt, dass man rund um die Uhr da sein muss, dass Krankheiten und Unfälle furchtbar sein können, dass Kinder Dinge kaputt machen und manchmal furchtbare Nervensägen sein können, dass die Betreuung ein Problem sein kann, ebenso wie finanzielle Unsicherheit? Hey, das wissen wir, danke! Und wir wünschen es uns trotzdem. Mehr als alles andere auf der Welt. Und das ist auch anstrengend, weil man immer und immer wieder mit Enttäuschungen kämpfen muss. Und die lächeln einen nachher nie an und bringen die Welt damit wieder in Ordnung.

Ich finde den Artikel nicht gut, weil er so destruktiv ist. Sehr viel besser finde ich den Vorschlag von Lizy, einen Tag der ungewollt Kinderlosen einzuführen. Das wird sicherlich kein großer Feiertag werden, vielleicht sogar eher ein Trauertag. Aber ich finde auch, dass das Wissen über Kinderlosigkeit in der Allgemeinbevölkerung viel zu niedrig ist, was es uns nur noch schwerer macht. Und ich würde mich ein bisschen mehr Anerkennung meiner Situation wirklich sehr wünschen.

Jeder hat letztlich seine eigenen guten und schlechten Momente. Elternsein hat Vor- und Nachteile, genauso wie Kinderlosigkeit (ob gewollt oder ungewollt). Alle über einen Kamm zu scheren kann da wirklich nicht gut gehen.

Liebe Grüße,
ioreth

mehr halt auf der Forums-Seite

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